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Die Kunst des Schwarzbrennens oder warum Fische fliegen können

Seit es den Menschen gibt oder auch nicht gibt, versucht diese Spezies sich wie auch immer, mit was auch immer zu zudröhnen. Selbst einige Schimpansen, wie ich es schmerzhaft erfahren musste, sind im Stande sich ordentlich einen hinter die Binde zu kippen. Man beobachtet die Affen nicht selten bei ihren Alkoholexcessen. Der Alkohol wird gerade zu literweise konsumiert. Diese ausschweifenden Saufgelage enden nicht selten mit heissen Diskussionen über Politik und Affenweibchen oder über politikmachende Affenweibchen. Am Anfang doch recht harmlose Disskussionsrunden gipfeln oft in blutigen Prügeleien. Scheint bei uns Primaten wohl normal zu sein. Dabei habe ich die Affen für bessere Menschen gehalten und bin von daher etwas enttäuscht. Wie dem auch sei, die Affen sind anscheinend auch nur Menschen.

besoffeneraffe

Wie euch allen bekannt ist, stamme ich aus einem fernem Land, was so nicht mehr existiert. Das heilige Land, mit weniger heiligen Regierung, wurde in Stücke gerissen und so bin ich nun geburtslandslos (verdammt geiles Wort). Die Sowjetunion war nicht nur ein Land. Es war auch eine Idee, die eine Zeit lang sehr gut funktionierte. Es gab ja auch nur drei TV-Sender  und diese waren auch von der Partei gelenkt und sehr hart zensiert. So durfte man über die Fünfjahrespläne und deren Erfüllung berichten bis einem das Hören und Sehen verging. Wir waren in allen Belangen dem Westen überlegen und hatten besser funktionierendes Gehirn, Muskeln und hatten hübschere Frauen. Missernten oder missglückte Raketenstarts bekamen wir nie zu Gesicht und so passierte uns weiter nichts schlimmes. Und falls doch irgendwo etwas durchsickerte, dann war es die amerikanskaja Propaganda. Und so haben wir allen Widrigkeiten, explodierten AKW`s und Winter getrotzt. Irgendwann aber sickerte immer mehr durch die undichten Wälle des Kommunismus durch und so begannen die Menschen sich ernsthaft zu fragen, warum wir, so ein verdammt starkes und reiches Land, kollektiv Schlange stehen müssen und das für ein Laib Brot. Wäre ja halb so wild, aber der damalige Generalsekretär Gorbatschow und seine Getreuen beschlossen urplötzlich das Ruder doch noch umzureissen und dieses wunderschön hässliche Land noch Richtung rettendes Ufer zu steuern. Also dachten sich die warmen Genossen „erhöhen wir doch die Preise auf die Alkoholerzeugnisse und bekommen dadurch a) mehr Einnahmen und b) mehr Arbeitsmoral“. Das Bruttoinlandsprodukt geht jetzt ab Baby, dachten sich wahrscheinlich die dauerbesoffenen Mitglieder des Politbüros. Diese seltendämliche Rechnung, dass der Ivan-Normal-Sowjetbürger auf einmal (hahahahahahahahahahahaha) das Saufen einstellt und am nächsten Tag verkatert beginnt wettbewerbsorientiert der Arbeit nachzugehen ging natürlich nicht auf.

Das Saufen konnte man nicht einfach einstellen. Wenn man nicht getrunken hat so hatte man gefälligst eine Krankheit vorzuweisen, die das trinken unmöglich machte. Die wenigen, die nicht saufen wollten, aus Überzeugung oder auch aus einem Art lachsischem, gegen den Strom schwimmendem Naturell, wurden für verrückt erklärt und fristeten im Nischendasein den Rest ihres Lebens als Aussenseiter und Ausgestossene. So wollte eigentlich jeder dazugehören und wagte sich kaum auf die Strasse der Verdammten. Als durch die Beschlüsse des Politbüros die Kohle für den Alkohol knapp wurde, versauften einige ihr Hab und Gut. Die meisten haben aber sich an ihre Schulzeit erinnert.  Der Chemiepauker erzählte doch da etwas von den zuckerfressenden Hefebakterien. Wenn man diese Bakterien im warmen Wasser mit etwas Zucker auflöste, kam es zu einer Fressorgie. Als Abfallprodukt oder Ausscheidung, war auch egal, entstand bei der Zuckervernichtung der leckere nahrhafte Alkohol. Die entstandene Flüssigkeit knallte zwar beim Trinken, nicht aber in der gewünschter Stärke. Die trübe und übel riechende Konsistenz des Getränks liess auch zu wünschen übrig. Also musste man es destillieren. Beim Erwärmen auf etwa 80-85 °C verändern der Alkohol und ein Paar unerwünschte Öle ihren Aggregatzustand und entweichen als Gas der trüben Brühe. Der Geist aus der Flasche (diese Araber verstanden etwas von Andeutungen) musste unbedingt abgefangen und abgekühlt werden. Abgekühlt auf circa Zimmertemperatur tropfte dann die edle Flüssigkeit in irgendein Gefäß und fertig war das Wässerchen mit dem süssen Namen „Samogon“.

Nun baute sich jeder Swojetbürger, der was auf sich und seine Gäste hielt, einen DESTILATOR der liebevoll Apparat genannt wurde. Dieses Gerät wurde so oft es ging eingesetzt um der Natur den alkoholischen Saft zu entlocken.Самогонный_аппарат_товарища_Вальтера

 

Da das Brennen illegal und schwarz war, lockte es natürlich, die von Natur aus sehr neugierige Milizionäre in Scharen an. Diese waren aber auch nur ein Spiegelbild der sowjetischen Gesellschaft (sind wir die Abbilder oder die da hinter dem Spiegelglas?) und liessen sich nur zu gerne mit ein Paar Liter Samogon bestechen und beteiligten sich an dem kollektivem Saufgelage. Jetzt dreh ich bisschen durch, wenn wir nur die Abbilder der Figuren hinter dem Spiegel sind, können wir überhaupt noch beeinflussen was hier passiert? Schreibe ich gerade nur, weil es mein Spiegelzwilling tut? Bin ich und alles um mich herum nur eine billige Kopie von der Wirklichkeit hinter dem Spiegel?

So wuchs ich in dieser saufender Gesellschaft auf und so blieb mir nichts anderes über, als irgendwann selber zum Glas zu greifen und es gegen die Wand zu werfen, aber nicht bevor ich es leer gemacht habe. Diese Alkohollösung schien doch DIE Lösung zu sein und so begann mein krankes Stück Biomasse von Hirn sich zu winden und zu drehen. Im Alkoholrausch und unter der Einwirkung irgendwelcher körpereigener Drogen fand ich mich unter einem Baum liegend wieder. (Verdammt, wie geil ist das denn?!) Mit weit aufgerissenen Augen, eins mit dem Baum, der aus meiner Mitte wuchs und die Früchte meiner Neugier trug, betrachtete ich die Welt weit über mir und fragte mich ob die Krabben denken, dass die Fische fliegen können…

 

In dem Sinne….

In love

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