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Planet der Affen oder warum Homo erectus wurde

Nun saß ich wie ein stolzer Affe auf dem Baum und verschmolz förmlich mit ihm. Die Kirschen, die ich so gierig dem Baum zu entreißen versuchte, waren mir lieber als das Leben selbst. So schien es bis zu dem Augenblick, als ich fast hinabstürzte. Hätte ich bloß am Abend zuvor die Maniküre und Pediküre erledigt, wie es meine Frau (die ich nach wie vor sehr liebe und schätze) liebevoll von mir forderte, so würde ich mich jetzt und hier nicht festkrallen können. Für irgendeinen Zweck haben sich doch unsere seltsamen Nägel in Jahrmillionen herausevolutioniert.

Überhaupt, die Evolution…welch ein Wagnis ist sie mit uns eigegangen?! Oder sind wir ein Missgeschick oder gar eine Krankheit? Experiment??? Ich befürchte, dass wir nur eine vorübergehende Missbildung und bald im Begriff uns selbst auszurotten sind (schöne Grüße an Steven Hawking). Obwohl ich es dem Planeten und der Natur von ganzem Herzen wünsche, dass sie wieder gesundwerden, finde ich es dennoch schade, dass es uns dann nicht mehr geben wird.

Die gottesfürchtigen unter euch werden alles was mit der Evolution zu tun hat sehr wahrscheinlich abstreiten und mir die Geschichte aus dem Buch Genesis im Alten Testament auftischen. Ich frage mich nur, welche von den beiden Schöpfungsgeschichten gilt? Die Sache mit Adam und Eva stinkt doch zum Himmel, meiner Meinung nach. Wieso wird die Eva aus der Rippe des Adams geschnitzt? Das halte ich für ein gemeines Gerücht, denn die Eva muss aus der Zunge des Mannes gefertigt sein. Wie ist denn sonst dieses Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau beim Reden, Telefonieren, laut Denken usw. zu erklären oder zu rechtfertigen?! Kann es sein, dass der Adam damals nur deshalb die Frucht der Erkenntnis in sich reinstopfte, damit die Eva endlich Ruhe gab und er weiter nackt durch den paradiesischen Garten Eden streifen konnte? Mein Gott, hättest du uns Männer doch bessere Ohren geschenkt. Vielleicht würden wir beim Zuhören verstehen, dass diese wunderschönen Geschöpfe (da hat sich der liebe Gott ja echt Zeit genommen und schaffte damit ein Kunstwerk) nur laut denken und eigentlich auf was ganz anderes hinauswollten.

Es passierte, was passieren musste, denn irgendwann mal musste ich ja von dem Baum runterklettern. Und so tat ich unseren Vorfahren gleich und trat den ersten Schritt (vermutlich der kleinste Schritt für die Menschheit aber einer der größten für mich, da ich auf matschigen Kirschen ausrutschte und fast ein Spagat aufs Parket legte) auf die flache Erde. Was trieb den Affen damals wohl runter von dem lebenspendenden Baum? War es die Geilheit? Denn die Früchte aus dem fremden Garten schmecken ja bekanntlich um einiges süßer. Die Monogamie kannten unsere Vorfahren ja auch nicht. Es wurde vermutlich wild zwischen den Bäumen hin und her spaziert und an der genetischen Vielfallt gefeilt. Irgendwann wurde aber das Klima zwischen dem Himmel und Erde sowie zwischen den Affenstämmen wohl so heiß, dass es immer weniger Bäume und immer weniger Nachbarschaft gab. Was sollte so ein Ottonormalhomonochnichterectus denn tun? Monogamie wurde noch nicht erfunden. Vegan war noch nicht IN und die Körperbehaarung wurde auch weitestgehend dran gelassen. Da die Wege immer weiter wurden und es noch keine ÖPNV gab (außer KVB und DB, aber die waren wahrscheinlich auch damals schon sehr unzuverlässig), musste der Homo zum erectus werden, sich aufrichten und die Nachbarschaft besuchen gehen. Als Geschenk wurden meistens Kuckuckskinder und leergefressen Fruchtbäume dagelassen. Was tut man nicht alles um Frieden zu spenden und zu behalten. Das aufrechte Gehen brachte natürlich immense Vorteile mit sich. Man(n) konnte nun größere Strecken hinter sich bringen und viel mehr Nachbarn besuchen. Genetische Vielfalt und die Evolution des Menschen nahmen ab dem Zeitpunkt an Geschwindigkeit auf.

Mit der Beute des Tages und fast gerissenen Sehnen im Schritt ging ich nun zu meiner Behausung. Dort wartete meine wundervolle Frau auf mich. Ich übergab die Kirschenernte in ihre vertrauensvollen Hände und zu ihrer vollsten Zufriedenheit waren es sehr viele duftende Kirschen. Ich dagegen war gar nicht zufrieden. Die Verletzung, die ich mir beim Spagat zuzog tat weh und behinderte mich zusehends beim Gehen. Warum sind wir Männer nur so wehleidig? Kleinere Verletzungen oder Krankheiten scheinen uns für wenige Tage dahinzuraffen. Ich vermute, dass der Mensch, oder besser gesagt der Mann an sich noch immer das wilde Tier von damals ist und sich außer aufrechteren Haltung und etwas größerem Gehirn kaum von dem Affen von damals unterscheidet. Wir sind immer noch auf der Jagd, auf der Pirsch. Muskeln und Größe spielen weitaus bedeutendere Rolle als Hirn. Das Teil wird fast vernachlässigt, wenn es eine Beute zu erlegen gilt. Höher, schneller und weida!!! Deswegen dieses Rumheulen bei kleinster Verletzung. Wir dürfen nicht raus, nein, jede Schwäche wird da draußen von anderen Affen schonungslos ausgenutzt und es könnte unsere letzte gewesen sein. Wir verkriechen in die Höhle und bleiben da bis wir uns sicher sind, dass wir der Konkurrenz standhalten können. Krank jagen ist einfach sehr uncool und ungesund. Das Beutetier könnte ja auch einfach den Spieß umdrehen und urplötzlich vom Gejagtem zum Jäger werden. Die Erde ist getränkt von den größenwahnsinnig gewordenen Affen.

Meine liebe und wunderschöne Frau bat mich drum den Gaskocher vorzubereiten, denn sie wollte, nachdem sie die Kerne entfern hatte, den Kirschen deren Saft entlocken, in dem sie die blutroten Früchte zerkochte. Was für eine Ungeheuerlichkeit! Wir ach so zivilisierten Wesen zünden seit wahrscheinlich Jahrmillionen nichts anderes als ein Feuer an und bereiten unser Essen darin vor, beheizen unsere Höhlen damit, beleuchten die Dunkelheit mit dessen Hilfe, bewegen unsere Fahrzeuge und vieles vieles mehr damit. Kann es sein, dass sich unsere Frauen damals an die Wärme des Feuers, was immer in der Höhle brannte, so gewöhnt haben, dass sie diese Wärme immer um sich spüren wollen? Kann es sein, dass wir deswegen so gerne an einem Feuer sitzen, weil es uns an unser Urzuhause erinnert?

Tief in uns drin sind wir immer noch der selbe Affe, der damals auf dem Baum saß und voller Angst in die Zukunft blickte. Unsere Instinkte verbinden uns direkt und unmittelbar mit unserer geheimnisvollen Vergangenheit. All der Fortschritt, all die technischen Errungenschaften lassen uns für einen Moment vergessen woher wir kommen, aber eine Weile allein mit der Naturgewalt, die uns spielend in wenigen Augenblicken zermalmen kann, verwandelt uns wieder in den ursprünglichen Menschen, der um sein Überleben sich zur Not auch mit seinen nichtsnutzigen Fingernägel mit seiner allerletzten Kraft an einem Baum krallt.

Ich nahm einen tiefen Schluck von dem rubinrotem Kirschsaft, der himmlisch schmeckte und nach Kindheit roch. Auf der weichen mit Stoff bezogenen Couch, die in der Ecke des Wohnzimmers stand, schlief leise meine liebe Frau und kuschelte sich in die warme Decke mit der ich sie kurz vorher zudeckte. Einen Schluck Saft später schaute ich aus dem Fenster in den klaren Sternenhimmel und war ergriffen und von dessen Größe schier überwältigt.

In dem Sinne…

Quelle Bild: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.evolution-oder-kreationismus-von-adam-und-eva-affen-und-dinos.fd7e21de-cb64-48d4-8c6f-9a58e1147eaa.html

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