philosophie

Die Keimzelle

Schwamm ein Einzeller durch die Gegend. Schwamm so hin und her und dachte sich nichts dabei. Schön weit und leer die See, das Ur-Ozean. Die Strömung riss ihn ab und zu mit sich und schleuderte ihn gehörig durch. Hätte der Einzeller Augen, so hätte er sehr weit blicken und merken können, dass er ganz allein war. Hätte er eine Nase, so hätte er riechen können, dass der Ozean nach nichts anderem als nach sich selbst riecht. So schwamm er nun und dachte sich nichts bei, denn er konnte ja auch nicht denken, weil ihm leider ein Gehirn fehlte.

Die Zeit verging, falls es damals so etwas wie Zeit schon gab, und so entwickelte der kleine Einzeller einen Hauch von Gefühl. Irgendwann mal, keiner weiß ob es sieben Uhr früh oder acht Uhr abends war, vielleicht war es auch irgendwann mal dazwischen, da merkte der Einzeller, dass er etwas fühlte. Das Gefühl zu beschreiben, wäre so unmöglich, wie die Unendlichkeit mit einem endlichem Gehirn zu begreifen, aber der Einzeller musste so etwas wie einen inneren Druck sich zu teilen verspürt haben. Die Zellwand, welche auch die äußere Haut des Einzellers bildete, ähnelte immer mehr der Schwingungsmembran einer Trommel, die so gespannt war, dass sie bald zu platzen drohte.

Etwas war da noch im inneren. Es zog und kratzte etwas. Die Einsamkeit und die Wassermassen drückten aufs Gemüt. Aber weinen konnte der Einzeller ja nicht. Das Wasser um ihn verwandelte sich in ein Tränenozean.

Der Einzeller spürte plötzlich pochende Schmerzen und die Zeitabstände dazwischen fühlten sich wie der Paradies an. Die Zeit wurde geboren.

Diese Einsamkeit und Stille. Das kleine Tierchen mit Gefühlen und einer Zelle schwamm umher. Urplötzlich, aus purer Langweile, oder Einsamkeit, da brach der innere Kern, das Innerste des Tierchen entzwei. Hätte der Einzeller eine Stimme gehabt, so würde er mit großer Sicherheit einen markerschütternden Schrei von sich gegeben. Die Spannung der Haut erhöhte sich noch einmal kurz. Die Haut dehnte sich soweit, bis sie sich jeweils um einen Kern schloss und danach abtrennte, so dass sich im Ergebnis zwei völlig eigenständige Einzeller bildeten.

Zu zweit ist man weniger allein. Nach einer Weile trieben die zwei Einzeller im Ozean umher und dachten sich nichts dabei. Denken ist ja bekanntermaßen nich unbedingt die Stärke eines Einzellers.

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