Obdachlos sein in Copenhagen

Es passiert mir immer, kaum spüre ich den festen Grund einer für mich neuen Stadt unter meinen Füßen, verliebe ich mich in sie schon, unmittelbar, zwangsläufig, tief. Zuerst atme ich mit beiden Lungenflügel ihre aromatriefende Luft ein, halte den Duft fest, versuche die Noten zu entschlüsseln. Währenddessen suchen meine Augen fieberhaft den Halt an einer schönen Fassade irgendeines Gebäudes, an einem geöffnetem Fenster, an einem Balkon mit Pflanzen oder ohne. Ich bin verliebt. Auf den ersten Blick. Heiß. Südländisch. Ich kann die Stadt gut riechen, oh ja, ich möchte sie besitzen. Ich möchte Dich durchschreiten. In deinem Bauch möchte ich mich in ein Café setzen und die Bilder an mir vorbeiziehen lassen, die Menschen beobachten, sie um die Schönheit ihrer Stadt beneiden, eifersüchtig aus sie sein.

Morgens früh, noch bevor die alten Fischer auf ihren noch älteren Booten, um die Fische aus den Netzen zu holen, hinaus aufs Meer fahren, bin ich schon wach. Koche mir einen duftenden Kaffe, lasse es mir alle meine Geister wecken und mache mich auf den Weg. Am besten setzt man sich in das eigene oder geliehene Auto, man lässt die Musik eines einheimischen Radiosenders aus den Boxen leise plätschern und fährt regelrecht zu einem Date. Überhaupt, die Musik ist ein wichtiger Bestandteil von der Essenz eines Landes, einer Stadt. Nirgendwo klingt der Ramazzotti besser als in einer Pizzeria in Neapel, die Frka besser als an der Strandpromenade in Zadar, als Seu Jorge besser als am Strand in Porto, Mustafa Sandal am Basar in Izmir, Björk am Fuße von Hekla…

Angekommen in der Stadt meiner Sehnsucht spüre ich die Freude die sich mir durch den Mark wie ein leiser Wasserfall den Weg bohrt. Ich steige aus, ich laufe paar Schritte, ich weiß das ist die Liebe meines Lebens. Ich liebe alles an dir, jedes Staubkörnchen, jede Gasse, jeden Dachziegel, selbst die verblichenen Farben, abfallenden Stuck, Spalten, die Postkästen, die Türen.

Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Fassaden küssen und die Straßenfeger langsam ihr Dienst einstellen, das Wasser auf den Wegen verdunstet und es angenehm nach Sommer in einer Stadt duftet, beziehen die ersten Stühle und die Tische unzähliger Cafés ihre Tagesquartiere, die Katzen die besten Plätze auf dem Marktplatz zum Nickerchen nach einer schier endlosen nächtlichen Jagd, ja dann setze ich mich irgendwo hin und verschmelze mit dem allem in jetzt und hier.

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